Bestattung und Trauer

Informationen zur kirchlichen Bestattung

Kirchlich bestattet werden kann, wer Mitglied in der evangelischen Kirche ist. In Ausnahmefällen können auch die Angehörigen evangelischer Kirchenmitglieder bestattet werden. Die kirchliche Bestattung ist kostenlos. Auch die Aussegnung im Trauerhaus ist möglich. Bitte sprechen Sie in allen Fragen zur Bestattung Herrn Karnstein oder Frau Thomas an.

Trauern – Was dabei oft geschieht?

Unser Leben währt auf Erden nicht unendlich. Diese Erkenntnis drängt sich besonders dann schmerzhaft auf, wenn ein nahe stehender oder geliebter Mensch stirbt. Das macht betroffen, schmerzt: man hat einen Verlust erlitten. Oft setzt dann die Trauer ein, meist erst so richtig nach der Beerdigung. Die meisten Menschen erleben irritiert, was dabei in ihnen selbst geschieht, besonders, wenn sie das erste Mal einen Menschen verlieren. Dieser kurze Aufsatz informiert über die häufigsten Trauerabläufe, was da oftmals geschieht. Dabei sollen besonders haufige Phänomene genannt werden, die man als so beängstigend und irritierend erlebt, dass man sie niemandem erzählen möchte, um nicht als verrückt zu gelten. Diese knappe Darstellung ist keinesfalls ein Ersatz für das vertrauliche Gespräch mit Ihrem Seelsorger, gerade wenn Ihre Welt durch einen Verlust erschüttert wird. Vielleicht sprechen Sie uns nach dem Gottesdienst an oder nehmen unverbindlich Kontakt zu uns auf. Wir haben Zeit für Sie!

Die vier Phasen der Trauer

Die folgende Darstellung gibt wieder, wie bei den meisten Menschen die Trauer verläuft. Doch muss direkt eine Einschränkung gemacht werden: die Trauer oder den Trauerverlauf gibt es nicht. Wenn im folgenden vier typische Phasen vorgestellt werden, gilt dabei folgendes:

  • Die Dauer der Phasen ist von Mensch zu Mensch verschieden
  • Phasen können ausgelassen werden und in anderer Reihenfolge erlebt werden
  • Phasen können wiederholt werden, auch mehrfach

Trauer und ihr Verlauf sind bei jedem anders. Deshalb kann dieser Aufsatz nicht wie ein Kochrezept verstanden werden, sondern als Darstellung der gewöhnlichsten Geschehnisse.

Die Phase des Schocks

Wenn man vom Tod erfährt, tritt diese Phase gewöhnlich ein. Sie ist gekennzeichnet durch Ungäubigkeit, Verleugnung („Das kann nicht sein!“) bis hin zum Schock. Sie dauert meist nur Stunden bis zwei Tage.

Die kontrollierte Phase

Nachdem der Schock überwunden ist, kommt es meist zum Zusammenbruch. Die Kontrolle in dieser Phase wird von außen ausgeübt, durch Angehörige, Ärztinnen, Beerdigungsunternehmer und Pfarrerinnen zum Beispiel. Sie strukturieren den Tag und die nächsten Handlungen, zum Beispiel die Organisation der Beerdigung. Dies hilft den Betroffenen, die Kontrolle aufrecht zu erhalten, irgendwie zu „funktionieren“. Meist verhält sich der Betroffene passiv, ist kaum in der Lage, Entscheidungen zu fällen und erlebt das Geschehen um sich herum wie im Traum.

Die Phase der Regression

Regression heißt, dass man auf Verhaltensweisen zurückgreift, die zu einem früheren Zeitpunkt erfolgreich waren. Ein Beispiel: Weinen. So wie kleine Kinder lernen, sich durch Weinen entlasten zu können, so kann in der Regression dieses bewährte Verhalten aufgegriffen werden. Die Phase der Regression beginnt meist erst nach einigen Tagen und ist gekennzeichnet durch das allmähliche Begreifen und Einschätzen des erlittenen Verlusts. Zugleich kommt es meist zu einer großen Traurigkeit und dem Gefühl, die gewohnte Kontrolle nicht aufrecht halten zu können. Die Welt scheint leer, das Leben sinnlos. Nichts und niemand ist mehr so, wie es war. Diese Phase ist im Trauerverlauf die erschreckendste, man erlebt sich Erfahrungen gegenübergestellt, die befremdlich sind und man kann nicht abschätzen, wohin dies führen wird. Weinen, Klagen und unvorhersehbare Ausbrüche, auch von Aggressivität, ereignen sich. Man richtet alle Kraft darauf, irgendwie die entglittene Selbstkontrolle wieder zu erreichen, was in hohem Maße zu einer Beschäftigung mit sich selbst führt. Das alles führt zu oft sehr merkwürdigen und befremdlichen Handlungen und auch Äußerungen. Vielfach werden Geschehnisse stark vereinfacht, zum Beispiel werden Sachzusammenhänge auf Aktionen zwischen Personen vereinfacht oder es werden Geschehnisse miteinander verbunden, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Auch die Einstellung der Verstorbenen gegenüber ist in dieser Phase oft sprunghaft, einseitig und, für Außenstehende, irgendwie merkwürdig.

Die Phase der Adaption

Nach einiger Zeit kommt es zu einer allmählichen Aufgabe des regressiven Verhaltens. Doch gibt es immer wieder Rückfälle, Tage, an denen die Welt sinnlos und leer erscheint. Insgesamt aber wird der erlittene Verlust anerkannt und man wird frei vom Bild der Verstorbenen. Das Gefühl für die Realität kehrt wieder ein und man weiß wieder um seiner selbst. Man merkt, dass die Verstorbene Teil seiner selbst geworden ist, aber auf andere Weise.

Phänomene in der regressiven Phase

Besonders in der regressiven Phase erleben Trauernde immer wieder Erlebnisse, die sie erschrecken, sie an sich selbst zweifeln lassen. Davon können einige so außergewöhnlich oder „verrückt“ sein, dass man sie nicht mit Dritten besprechen möchte. Alle diese Phänomene sind bei Trauernden normal und kein Anzeichen von Geistesgestörtheit. Viele Trauernden träumen wesentlich häufiger als Menschen, die nicht in Trauer sind. In diesen Träumen begegnet einem auch die Verstorbene und man unterhält sich mit ihr. Viele dieser Träume verarbeiten die Verlusterfahrung, aber auch zum Beispiel die Beziehung, die der Trauernde zur Verstorbenen hatte. Es kann hilfreich sein, besondere Träume für sich selbst aufzuschreiben oder diese auch mit einem Dritten zu besprechen. Aggressionen gegen die Verstorbene sind ebenfalls nicht ungewöhnlich, gerade bei Angehörigen, die die Verstorbene lange Zeit pflegen mussten oder sonstwie unter ihr gelitten haben, zum Beispiel durch Einschränkungen in der eigenen Lebensführung. Die meisten Trauernden erschrecken darüber sehr, erscheint ihnen die Verstorbene doch eigentlich als ganz wunderbarer Mensch. Auch dies ist ein normaler Vorgang, der nicht beunruhigen muss – auch und gerade wenn davon niemand jemals erzählen würde. Auch ist dies kein „Verrat“ der Verstorbenen gegenüber. Normal ist auch eine suchende Haltung der Verstorbenen gegenüber. Diese kann sich darin ausdrücken, dass man glaubt, Geräusche oder die Stimme der Verstorbenen zu hören, sie auf der Straße gesehen zu haben oder ihre Anwesenheit zu empfinden. Es kann vorkommen, dass man merkwürdige Handlungen begeht, zum Beispiel den Drang verspürt, nochmals an Orte zu gehen, die man besonders mit der Verstorbenen verbindet. Dass man Kleidung, Lieblingssessel und die Teile der Wohnung unverändert lässt, die der Verstorbenen gehörten. Trauernde trinken mehr Alkohol als gewöhnlich, rauchen mehr und greifen häufiger zu Schlafmitteln. Das ist normal, sollte jedoch mit Vorsicht gehandhabt werden. Krankheiten häufen sich im Verhältnis zu Nichttrauernden. Beziehungen sind immer auch durch Probleme und Streitigkeiten geprägt. Vielfach neigen Trauernde dazu, Schuldgefühle der Verstorbenen gegenüber mit einem teuren Begräbnis zu kompensieren oder durch das Eingehen von Verpflichtungen, die sich später als schlecht erweisen. Deshalb sollten größere Entscheidungen oder solche mit weitreichenden Folgen nicht während der regressiven Phase getroffen werden oder wenigstens mit einer neutralen, nicht unmittelbar trauernden Person beraten werden. Vor Schenkungen, Stiftungen, größeren finanziellen Aktionen oder Verschenken/Verkaufen von Besitzstücken der Verstorbenen sollte Abstand genommen werden. Dies kann sicher einige Monate warten.

Literatur zum Weiterlesen

Kast, Verena: Trauern. Phasen und Chancen des psychischen Prozesses, Stuttgart 1999 (1982): Kreuz Verlag, ISBN 3-7831-0660-5, ca. 198 Seiten, ca. 17 Euro. Zum Online-Buchhändler Amazon.

Marc Platten